Climate safe gardening?


Gärtnern ist leider nicht per se gleich Klimaschutz.

Dem Klimaschutz beim Gärtnern Vorrang geben?

Ja das geht!

Es geht hierbei zunächst um das Kleinklima im Garten selbst, um Temperatur und Wasserhaushalt und somit auch Vielfalt und Artenschutz. Allerdings kann man durch sein Verhalten und die Planung des Gartens auch über die Zäune hinaus Einfluss nehmen – positiv oder negativ….

Mulchen?
Zurückhaltendes Graben und Jäten sowie Bodenbedeckung bzw. Beschattung zusammen mit der Wahl der Pflanzen verhindern Verdunstung und Austrocknung von Böden.
Laubbäume, Hecken und Pflanzen, insbesondere Stauden können gezielt so gesetzt werden, dass sie sich gegenseitig unterstützen in Bezug auf Schatten, Wasserbedarf und Nährstoffverteilung. Auf Blütenpracht und Zierwert gezüchtete Pflanzen sind häufig für Insekten wenig interessant (Stichwort: gefüllte Blüten ).
Weiterhin ist der Durst bei den besonders beeindruckenden Züchtungen oftmals enorm (Wasserbedarf).
Holzhäckselschrot hat durchaus auch seine Berechtigung im Garten. Aber auf Holzhäckselmulch sollte man möglichst verzichten: Holzhäcksel sind gespeichertes Kohlendioxid, meist mehrfach hin und hergefahren, zu schade zum Mulchen. Die unnötige Freisetzung von Gasen kann man oftmals förmlich riechen, wenn der Nachbar oder die Nachbarin grade frisch gemulcht hat.
Es geht für viele Zwecke besser und preiswerter durch Mulchen mit Grünschnitt aus dem eigenen Garten: Wurzeln von Brennnesseln und Co zu einer Jauche verarbeiten, der Rest kann um die Pflanzen und jungen Triebe ausgelegt werden.
Auch zwischen Beeten muss man nicht alles pflastern. Hier verhindern Blätter oder Äste gemeinsam mit dem regelmäßigen Begehen der Wege das Zuwuchern. Gleichzeitig wird somit ein Austrocknen und Aufheizen der Wege und des Gartens minimiert. Ab und zu ein Brett, großes Blatt oder Trittstein auf bzw. neben den Wegen hilft die Schnecken zu sammeln. Was man dann mit dem „Schneckenertrag“ unter den Brettern veranstaltet, hängt wiederum vermutlich von dem Grad der Tierliebe ab …. Vielleicht gibt es eine Ecke im Garten, wo die Schnecken sich am Kompost und Hühner, Vögel, Igel und Co sich wiederum an den Schnecken gütlich tun können.
 
Alles Aufräumen?
Das bringt uns zum nächsten Punkt: Nicht alles nach domestizierten, menschlichen Gesichtspunkten aufräumen! Die Natur hat ein anderes, ursprüngliches und intelligenteres, ästhetisches Empfinden. Wo wir aufräumen, bedeutet dies oft ein Verschwinden von Rückzugsorten, Nist- und Brutplätzen, Futter-, Trink- und Schattenplätzen insbesondere für die Nützlinge, die wir im Garten eigentlich doch erhalten möchten: Vögel, Insekten, Wildkräuter, …. Auch die Nährstoffe holen wir gerne mit Grünschnitt und Co aus den Gärten: ab in die Biotonne und weg; um dann wieder Dünger, Blumenerde und Kompost inkl. Mikroplastik ranzukarren. (Hierzu empfehle ich gerne Fukuokas Philosophie einer Nichts-Tun-Landwirtschaft). Für den Nestbau ist ein Angebot an trockenem Gras, Ästen, Federn, … von Nöten.
Moose und Flechten (sogenannte Kryptogamen) wachsen u.a. auf Altholz oder Steinen und sind sehr effiziente Luftreiniger und CO2-Verwerter. Desweiteren puffern sie Feuchtigkeit und Temperatur und sind Lebensraum für viele Klein- und Kleinstlebewesen (z.B. Insekten).
 
Bäume?
Ohne Bäume, deren Schattenwurf etc., gibt es also z.B. auch keine Pflanzen, „die im verborgenen heiraten“ (Kryptogamen). Darüber hinaus bestehen sie zu fast 50% aus Kohlenstoff und sind damit als Klimapuffer gerade in der Stadt unverzichtbar. Sie heben den Grundwasserspiegel und senken im Sommer die Temperatur im Kleinklima, …. Nicht umsonst sehen Bebauungspläne oft mindestens einen Solitärbaum pro Garten vor.
Vom Wert für Tiere, insbesondere Vögel und Insekten, Pilze, Moose und Flechten sprechen wir an dieser Stelle erst gar nicht im Detail.
 
Wasser?
Weiter geht es mit dem Wasserbedarf: Leitungswasser für Pflanzen ist ein Nogo und auch in heißen Sommern nicht nötig.
Wenn es keine Dachflächen und Zisternen gibt, von denen man das Niederschlagswasser ableiten kann, hat man in Deutschland immer noch die Möglichkeit, die regenreichen Monate zu nutzen und Eimer vom Regen füllen zu lassen, die man dann nach und nach in Regentonnen entleert. Das klingt zwar ein bisschen mühsam, dafür hat man dann das beste weiche, keimarme Wasser für die Pflanzen, das man noch dazu kostenlos bekommen kann.
Kleine Pflänzchen, frische Ableger und Neupflanzungen benötigen natürlich eine regelmäßige Versorgung mit Wasser, auch das kann man aber wohldosieren. Die erwachsenen Pflanzen kann man dann erziehen und zur richtigen Zeit gießen, damit diese mit Wassermangel besser zurecht kommen. Sobald man den Garten etwas beobachtet, hat man bald raus, wo und wann wirklich Wasser vonnöten ist.
Nicht vergessen: Wer viel düngt muss auch viel gießen (verdünnen und versorgen). Vielleicht ist es aber ja gar kein Problem sondern nur eine Frage von Geduld und Genügsamkeit, wenn das Grün etwas kleiner ausfällt oder langsam wächst?
 
Pflanzen aus der Region?
Wenn du bei einer regionalen Gärtnerei oder bei Nachbar*innen die Pflanzen besorgst, sparst du nicht nur auf vielfältige Art Wege und oft auch Geld. Diese Pflanzen sind auch gern kräftiger, denn besser an das örtliche Klima angepasst und weniger unnötigem Stress ausgesetzt. Außerdem bekommst du hier möglicherweise noch die regionalen Sorten und erhältst somit die heimische Artenvielfalt. Selber Pflanzen ziehen aus Ablegern oder Samen ist ein tolles Hobby, das nicht nur Wasser und Wege spart. Im Gegenzug für die Geduld erhält man wunderbare Erfolgserlebnisse, die einen im Zweifel ewig begleiten. Auf hybride Pflanzen sollte man im Garten allerdings verzichten, wenn man diese Erfolge feiern will. Diese Pflanzen sind ganz bewusst so gezüchtet, dass sie sich nicht vermehren lassen. Alte Sorten kennen aber Gott sei Dank kein Patent.
 
Unkraut?
Und last but not least: Was von selbst wächst, ist oftmals ungewollt und ungeliebt, sollte aber erst recht in einem climate safe garden willkommen sein:
Vernachlässigbare Energie bei der Vermehrung, geringer Wasserbedarf, optimal an den Standort angepasst, meistens essbar und außergewöhnlich gesund sind deren Kennmerke. Somit fallen auch an keiner Stelle Transportwege an.
 


„Jemand sitzt heute im Schatten, weil einmal ein Baum gepflanzt wurde.“ ?Warren Buffet, 1930

Weitere Fragen oder Anregungen? Gerne unter Garten@Pensumalsame.de.